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Wintersohl sucht in jeder Kiste nach „wertvollen“
Relikten aus der Vergangenheit.

Wintersohl sortiert aus, was weggeworfen
wird und was nicht.

Die Reste der amerikanischen Kasernennutzer
liegen in den kleinsten Ecken.

Vom Flugzeug bis zum afrikanischen Sauzahn – Alles muss raus!

Penzing: Ein ganzes Geschwader wie das Lufttransportgeschwader 61 aufzulösen, ist eine Herkulesaufgabe. Wenn, wie in Penzing, auch noch die ganze Kaserne besenrein zu übergeben ist, wird die Aufgabe noch größer. Eine wichtige Frage: Wohin mit den Schätzen der Geschichte?

Von Feldtoiletten bis zum alten, roten Alarmtelefon des Gefechtsstands, von den Wrackteilen eines abgestürzten Weltkriegsfliegers bis zum Gesichtsschutz für amerikanische Boxer. Die Bandbreite der Kuriositäten ist unvorstellbar. Stabsfeldwebel Herbert Wintersohl entdeckt sie fast täglich in Kellern und auf Dachböden irgendwelcher Gebäude auf dem weitläufigen Fliegerhorstgelände.

Besuch vom Militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow

Großes Lob hat Herbert Wintersohl, der oft zusammen mit Info-Meister Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke auf Sichtungstour im Geschwader unterwegs ist, von Oberstleutnant Ralf-Gunter Leonhardt geerntet. „Wir können ruhigen Gewissens feststellen, dass nichts Wertvolles weggeworfen wird und wir so die historischen Dokumente und Objekte des Verbandes auch für zukünftige Generationen bewahren können“, sagt der Leiter des Militärhistorischen Museums am Flugplatz Berlin-Gatow nach seinem Besuch in Penzing. Das Museum versprach, bei der Auswahl der richtigen Objekte zu unterstützen und festzustellen, was aus der Sicht der Historiker erhaltungswürdig ist. „Im Zweifel packen Sie uns alles in eine Kiste, schreiben den Namen desjenigen drauf, der uns etwas dazu berichten kann und schicken es uns nach Berlin“, so Leonhardt weiter. Angesichts der großen Menge hadert Herbert Wintersohl aber trotzdem. „Man kann nicht alles aufheben“, so der erfahrene „Loadie“, wie die Ladungsmeister von ihren Kameraden genannt werden.

In der Zwischenzeit überlegt Herbert Wintersohl zusammen mit der Geschwaderführung, was wohl mit den Schrott-Teilen der in Österreich abgestürzten JU-88 passiert. Diese waren 70 Jahre nach dem Absturz durch den Rückgang des Gletschers aufgetaucht. „Unsere Hubschrauber haben sie per Außenlast geborgen und seitdem liegen sie bei uns im Keller“, erzählt der Stabsfeldwebel. Ein Nachkommando hat noch bis Ende September 2018 Zeit, das große Areal mit über 40 Gebäuden und Hallen besenrein zu machen. Was danach mit der Kaserne und den vielen unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden passiert, hat das Bundesverteidigungsministerium noch nicht entschieden.

Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke
Autor: Max-Joseph Kronenbitter