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Wir berichteten in der Ausgabe 1-2019 über den Bericht des Wehrbeauftragten und über die teilweise erschreckenden Ergebnisse. Hier finden Sie das Vorwort zum Bericht. Am Ende des Vorwortes finden Sie einen Link um diesen Bericht als PDF anzuschauen und einen weiteren Link zu Informationen über die Aufgaben und die Arbeit von Dr. Hans-Peter Bartels, dem Wehrbeauftragen des Deutschen Bundestages.

Vorwort zum Jahresbericht 2018 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages

Vieles muss und soll besser werden, damit unsere Soldatinnen und Soldaten ihrer heutigen Doppelaufgabe voll gerecht werden können: einen substanziellen Beitrag zur kollektiven Verteidigung in Europa zu leisten und gleichzeitig wie bisher an multinationalen Kriseneinsätzen außerhalb des Bündnisgebiets weltweit teilzunehmen. Viele Hebel wurden in Bewegung gesetzt, Papiere sind geschrieben, politische Beschlüsse gefasst, zusätzliches Geld steht in Aussicht, die Bundeswehr wird größer. Das ist anzuerkennen, Besserung scheint absehbar. Aber immer noch stehen zu viele, oft selbst gemachte bürokratische Hürden – alte und neue – auf dem Weg zur vollen Einsatzbereitschaft. Die Verwaltung des Mangels bleibt Alltag. Spürbar sind für viele Soldatinnen und Soldaten die kommenden Trendwenden bisher kaum. Die Belastung bleibt hoch, der Erwartungsdruck steigt.

In einem Rundbrief an die Angehörigen seines Verbandes schreibt 2018 ein Marinekommandeur: „Wir bewegen uns ressourcenmäßig am Limit und leben von der Substanz. Anforderungen an uns, der tatsächliche Zustand unseres Materials und die Verfügbarkeit von Personal befinden sich nicht in der Waage, um die Einsatzbereitschaft im geforderten Umfang herzustellen und Belastungen ausgewogen zu verteilen.“

Ein Thesenpapier des Heereskommandos analysiert: „Die derzeitige Beschaffungspraxis ist darauf ausgerichtet, Risiken möglichst auszuschließen und strebt maximale (rechtliche) Sicherheit und Regelkonformität an. Immer komplexere, sich gegenseitig teils sogar widersprechende Regelungen erzeugen immer höheren sequentiellen Abstimmungsbedarf und vielfältige Schnittstellen.“

Und der Luftwaffeninspekteur teilt im Sommer 2018 öffentlich mit: „Die Luftwaffe befindet sich an einem Tiefpunkt.“

Diese Ehrlichkeit ist gut. Sie ist existentiell für die Zukunft der Bundeswehr. Nichts kommt von selbst. Wer Verbesserungen will, muss Missstände ansprechen. Entscheidungen sind nötig. Abwarten kann keine Option mehr sein. Die Bundeswehr als Parlamentsarmee ist transparenter als die Streitkräfte anderer Nationen, die aber oft mit ganz ähnlichen Problemen kämpfen. Es entspricht unseren Prinzipien der Inneren Führung, Beschwerden und Hinweise der Soldatinnen und Soldaten ernst zu nehmen. Um ihre Rechte, um ihre bestmögliche Ausbildung, Aufstellung und Ausrüstung geht es.

Dass im Berichtsjahr fast alle an die Bundeswehr gestellten Aufgaben doch irgendwie gelöst wurden, hat ganz wesentlich mit der loyalen Professionalität und der Liebe zu ihrem Beruf zu tun, die Soldatinnen und Soldaten immer wieder Wege finden lassen, wo der „Dienstweg“ einen manchmal verzweifeln lassen könnte.

Als Haupthindernis für notwendige Verbesserungen erleben viele Soldatinnen und Soldaten die Überorganisation von allem und jedem. Sie sagen: „Wir verwalten uns zu Tode“ und sprechen vom „Bürokratiemonster Bundeswehr“.

Warum erwirtschaftet etwa die britische Royal Air Force mit ihrer EUROFIGHTER-Flotte so viel mehr Flugstunden als unsere Luftwaffe?
Warum müssen Baumaßnahmen für die Bundeswehr stets doppelt oder dreimal so lange dauern wie ziviles Bauen?

Das Studierendenwerk Berlin, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, zuständig für 170.000 Studentinnen und Studenten, gibt täglich 35.000 Essen aus, bringt 10.000 Studierende in eigenen Wohnheimen unter, betreibt sieben Kindergärten, kümmert sich um BAföG-Anträge, bietet psychologische und Sozialberatung an – und das mit 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Was würde das alles, wenn man es ausrechnen könnte, bei der 43 Milliarden Euro schweren Bundeswehr kosten?

Studierende und Soldaten sind ganz gewiss nicht das Gleiche, aber etliche Grundfunktionen – Verpflegung, Unterkunft, Kita, Beratung – sind durchaus „vergleichbar“: Standards, Strukturen, Kosten. Durch Vergleichen lernen, heißt neudeutsch Benchmarking, gesucht ist die effizientere Best Practice – idealerweise lieber gut und günstig als schlecht und teuer.

Lernen lässt sich vom zivilen Bereich, etwa vom kreativen Beschaffungsmanagement der Bundespolizei beim schnellen Zulauf neuer Grenzschutzschiffe, vom Lean Management des Technischen Hilfswerks, vom Tooth-to-Tail-Verhältnis unserer weiterführenden Schulen; von Streitkräften befreundeter Nationen, die manchmal mit deutlich weniger finanziellem Aufwand gute Lösungen finden. Und lernen können auch innerhalb der Bundeswehr die ganz unterschiedlich strukturierten Teilstreitkräfte von-einander, wenn es um gute Organisation geht. Zu viele Soldatinnen und Soldaten müssen täglich einen Teil ihrer Arbeitskraft an ungünstige Strukturen verschwenden.

Für verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen Geld und Zeit steht nicht zuletzt der Fall „Gorch Fock“. Er zeigt paradigmatisch die Diffusion von Verantwortung in einer zersplitterten Zuständigkeitskultur, wo es niemandes Aufgabe zu sein scheint zu fragen: „Ist das normal, wenn der Reparaturpreis sich von zehn auf 135 Millionen Euro verdreizehnfacht?“

Im Berichtsjahr haben 2.534 Soldatinnen und Soldaten sich mit persönlichen Eingaben an den Wehrbeauftragten gewandt, 2017 waren es 2.528. Die Zahl der von Amts wegen aufgegriffenen „Meldepflichtigen Ereignisse“ war 2018 nach dem Meldeboom des Vorjahres rückläufig. Besonderes Augenmerk lag dabei für das Amt des Wehrbeauftragten wiederum auf den Themen sexuelle Übergriffe, Rechtsextremismus und Diskriminierung. Hier wird es auch ein Dunkelfeld nicht gemeldeter Vorfälle geben. Die Bemühungen der Bundeswehr um Reformen bei der Ausbildung, im vergangenen Jahr ein Schwerpunktthema des Berichts, werden ausdrücklich anerkannt.

Für gute Zusammenarbeit ist zu danken den vielen Stellen in der Bundeswehr, die engagiert an der notwendigen Sachverhaltsaufklärung mitgewirkt und oft auch Konsequenzen daraus gezogen haben. Die Zusammenarbeit mit Vertrauenspersonengremien und Personalräten, mit GVPA und HPR, dem Bundeswehrverband, dem Reservistenverband und anderen Berufsverbänden, Gewerkschaften und Stiftungen, mit den Gleichstellungsbeauftragten, Schwerbehindertenvertretungen und Inklusionsbeauftragten, mit evangelischer und katholischer Militärseelsorge, mit meinen Kollegen in anderen europäischen Ländern und mit dem Centre for the Democratic Control of Armed Forces (DCAF) war gut und vertrauensvoll. Dank gilt auch dem Verteidigungsausschuss und der politischen Leitung des Verteidigungsministeriums für allzeit offenen, konstruktiven Austausch zum Wohl unserer Soldatinnen und Soldaten.

Dr. Hans-Peter Bartels

Download Bericht als PDF

Mehr Informationen zum Wehrbeauftragten finden Sie hier…

„70. Jahre Berliner Luftbrücke“

Im Rathaus Spandau wurde am 24.01.2018 unter Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, dem Bürgermeister von der Gemeinde Faßberg sowie dem Kommandeur des technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe und Standortältesten Oberst von Harling der Startschuß zu den Feierlichkeiten „70. Jahre Berliner Luftbrücke“ gegeben.

Die hier eröffnete Ausstellung soll die über zwei Jahre andauernden Veranstaltungen und Aktivitäten zum Jahrestag der „Berliner Luftbrücke“ einleiten und begleiten. Auch wir haben dazu mit zahlreichen Kooperationspartner dementsprechende Veranstaltungen vorgesehen, die wir ihnen im weiteren Verlauf des Kalenderjahres bekanntgeben werden.

Förderverein Luftwaffenmuseum der Bundeswehr e.V.

Das Luftwaffenmuseum (MHM) stellt die Geschichte der militärischen Luftfahrt in Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart dar und ordnet sie in den historischen Gesamtzusammenhang ein. Dies schließt die Behandlung der Luftkriegsoperationen gegnerischer Streitkräfte in den Weltkriegen gegen Deutschland und die Präsenz fremder Streitkräfte auf deutschem Boden nach 1945 ein.

Der Förderverein des Luftwaffenmuseums der Bundeswehr e.V. berät und unterstützt heute in verstärkter Form das Museum in vieler Hinsicht.

Kommunikation:

Förderverein des Luftwaffenmuseum
der Bundeswehr e.V.

Bundesgeschäftsstelle
Postfach 450 222 – 12172 Berlin
Tel: 030 / 811 07 69 – Fax: 030 / 3643 1198

RAF Museum Weeze hat ein „neues“ Flugzeug – Hawker Hunter

„The Eagle has landed“

…oder so ähnlich.

Es war ein langer Tag. Der erste Lkw kam ungefähr eine Stunde zu früh, der zweite Lkw etwa eine Stunde zu spät. So gerade vor Einbruch der Dunkelheit war alles abgeladen. Eigentlich sollten alle Teile ins Kino geschafft werden. Das haben wir wegen der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr geschafft. Kommt morgen oder übermorgen.
Danke an alle, die unermüdlich geholfen haben, das Flugzeug zu entladen, aus den eigenen Reihen, aber auch von außerhalb. Hubert Bossmann mit seinem Manitu Radlader, der Bauhof, namentlich Robert Erretkamps und Paul Krüger und die Mitarbeiter der Training Base, Matthias Ziessow. Konrad Josten vom Handwerkerservice Josten. Klasse. Ohne euch hätten wir das nicht geschafft.

Nun wird es noch ein wenig dauern, bis alles montiert und lackiert ist.

Wir werden zeitnah berichten, ab wann das „Schmuckstück“ zu besichtigen ist.

Die Hawker Hunter ist ein einstrahliges Kampfflugzeug der Zeit des Kalten Krieges aus britischer Produktion. Im Einsatz war der Flugzeugtyp des Herstellers Hawker Siddeley ab 1954 hauptsächlich bei der Royal Air Force; sie wurde auch in andere Länder exportiert und war mit Erstflug 1951 das älteste noch aktive Kampfdüsenflugzeug der Welt, als die letzten Exemplare 2014 vom Libanon außer Dienst gestellt wurden.

Wintersohl sucht in jeder Kiste nach „wertvollen“
Relikten aus der Vergangenheit.

Wintersohl sortiert aus, was weggeworfen
wird und was nicht.

Die Reste der amerikanischen Kasernennutzer
liegen in den kleinsten Ecken.

Vom Flugzeug bis zum afrikanischen Sauzahn – Alles muss raus!

Penzing: Ein ganzes Geschwader wie das Lufttransportgeschwader 61 aufzulösen, ist eine Herkulesaufgabe. Wenn, wie in Penzing, auch noch die ganze Kaserne besenrein zu übergeben ist, wird die Aufgabe noch größer. Eine wichtige Frage: Wohin mit den Schätzen der Geschichte?

Von Feldtoiletten bis zum alten, roten Alarmtelefon des Gefechtsstands, von den Wrackteilen eines abgestürzten Weltkriegsfliegers bis zum Gesichtsschutz für amerikanische Boxer. Die Bandbreite der Kuriositäten ist unvorstellbar. Stabsfeldwebel Herbert Wintersohl entdeckt sie fast täglich in Kellern und auf Dachböden irgendwelcher Gebäude auf dem weitläufigen Fliegerhorstgelände.

Besuch vom Militärhistorischen Museum in Berlin-Gatow

Großes Lob hat Herbert Wintersohl, der oft zusammen mit Info-Meister Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke auf Sichtungstour im Geschwader unterwegs ist, von Oberstleutnant Ralf-Gunter Leonhardt geerntet. „Wir können ruhigen Gewissens feststellen, dass nichts Wertvolles weggeworfen wird und wir so die historischen Dokumente und Objekte des Verbandes auch für zukünftige Generationen bewahren können“, sagt der Leiter des Militärhistorischen Museums am Flugplatz Berlin-Gatow nach seinem Besuch in Penzing. Das Museum versprach, bei der Auswahl der richtigen Objekte zu unterstützen und festzustellen, was aus der Sicht der Historiker erhaltungswürdig ist. „Im Zweifel packen Sie uns alles in eine Kiste, schreiben den Namen desjenigen drauf, der uns etwas dazu berichten kann und schicken es uns nach Berlin“, so Leonhardt weiter. Angesichts der großen Menge hadert Herbert Wintersohl aber trotzdem. „Man kann nicht alles aufheben“, so der erfahrene „Loadie“, wie die Ladungsmeister von ihren Kameraden genannt werden.

In der Zwischenzeit überlegt Herbert Wintersohl zusammen mit der Geschwaderführung, was wohl mit den Schrott-Teilen der in Österreich abgestürzten JU-88 passiert. Diese waren 70 Jahre nach dem Absturz durch den Rückgang des Gletschers aufgetaucht. „Unsere Hubschrauber haben sie per Außenlast geborgen und seitdem liegen sie bei uns im Keller“, erzählt der Stabsfeldwebel. Ein Nachkommando hat noch bis Ende September 2018 Zeit, das große Areal mit über 40 Gebäuden und Hallen besenrein zu machen. Was danach mit der Kaserne und den vielen unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden passiert, hat das Bundesverteidigungsministerium noch nicht entschieden.

Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke
Autor: Max-Joseph Kronenbitter